Ein Besuch bei Christa Pautsch

Die promovierte Medizinerin Christa Pautsch, 78 Jahre alt, lebt seit fünf Jahren im Betreuten Wohnen der Pro Seniore Residenz Freiburg und fühlt sich wirklich rundum zu Hause. Wir haben sie besucht.

Stellen Sie sich doch bitte mal kurz vor!
Ich bin Christa Pautsch und 78 Jahre alt. Die meiste Zeit habe ich in Unna bei Dortmund gelebt. Geboren bin ich in Köln. Dort war mein Vater an der Universität beschäftigt. In Unna, wo er Chefarzt war, haben wir dann gebaut. Das war ein sehr schönes Haus, in dem wir ab 1954 wohnten. Ich mochte Unna aber nicht. Erst recht nicht die Schule (lacht). Gefallen hat es mir erst später beim Studieren.

Was haben Sie denn studiert?
Ich habe Medizin studiert, habe auch meinen Doktor gemacht. Eigentlich wollte ich immer Kinderärztin werden. Aber mein Mann wünschte sich so sehr Kinder. Da er schwer gearbeitet hat als Arzt, habe ich dann zurückgesteckt und blieb bei unseren drei Kindern. Die sollten Erziehung haben. Und aus allen ist was geworden. Der Jüngste ist auch Mediziner, Intensiv-Mediziner und Anästhesist, der Älteste ist Biochemiker und meine Tochter wurde Grundschullehrerin.

Seit wann leben Sie hier?
Ich lebe hier jetzt schon fünf Jahre, bin ja immer schon nach Freiburg runtergefahren und habe hier auch studiert. Wenn es nach mir gegangen wäre, wären wir auch hier geblieben, aber mein Mann war ein richtiger Nordfan. Er ist aber jetzt schon über 20 Jahre tot. Und da sagte mir mein jüngster Sohn Mark, ich solle einfach runterkommen. Beim siebzigsten Geburtstag meines Bruders hat er mich quasi einfach mitgenommen. Das habe ich absolut nie bereut, denn ich wollte bei meinem Sohn sein. Der ist ja als Arzt in der Schweiz tätig.

Dann ist er ja gar nicht weit weg …
… und darüber bin ich auch heilfroh. Als er in Pakistan war, habe ich immer Angst gehabt, es passiert etwas.

Und dann kamen Sie an, von der eigenen Wohnung in eine Einrichtung.
Stimmt. Ich hatte ja von meinen Eltern eine richtige Villa geerbt. Also mein Vater hatte drei Häuser und jedes Kind hat eins bekommen. Nach seinem Herzinfarkt hat mein Mann aber vier Jahre lang im Wachkoma gelegen. Da ging es mir verdammt schlecht. In dieser schlimmen Zeit habe ich mir gesagt: Ich kann nicht mehr. Und da hat mir mein ältester Sohn enorm geholfen. Eines Tages kam jemand zu mir, ein Orthopäde, der sich für mein Haus interessierte. Eigentlich habe ich gar nicht ans Verkaufen gedacht. Aber dieser Mann hatte wirklich Interesse. Wir kamen überein. Dann habe ich mir eine Wohnung gesucht in Unna Königsborn. Die war sehr schön. Geld genug hatte ich ja. Da war eine riesige Rotbuche vor. Und weil ich zu meinem Sohn Mark wollte, bin ich dann hierher gegangen. Meine Freundinnen haben diesen Schritt nie verstanden. Aber das war wirklich gut so. Ich bin hier gerne. Ich habe wunderschöne zwei Zimmer, eine tolle Aussicht aus dem dritten Stock. Ich kann mich wirklich nicht beklagen. Auch einen Teil meiner Eichenmöbel habe ich untergebracht. Ich habe auch viele Bücher, in denen ich heute noch viel nachlese, wenn ich etwas wissen will.

Was lesen Sie denn gerne?
Romane, das ist sehr unterschiedlich.

„Ich habe doch jetzt endlich mal Zeit für die Dinge, die ich früher immer tun wollte, aber für die ich nie Zeit hatte."

Christa PAuTSCH

Wie sieht denn der klassische Tagesablauf hier aus?
Hier ist es wirklich nicht langweilig. Zuallererst gehe ich morgens runter zum Frühstück. Auf den Kaffee freue ich mich besonders, denn der ist wirklich gut. Sonst würde ich das Frühstück auch selber machen. Dann esse ich einen Quark mit einem Apfel. Zum Mittagessen komme ich auch runter. Abends mache ich mir selber was zu essen – Körnerquark zum Beispiel.

Unternehmen Sie noch viel mit Ihrem Sohn?
Ja klar, wenn er Zeit hat. Neulich sind wir beispielsweise zehn Kilometer Richtung Feldberg gefahren. Dort war eine Hütte, wo mein Enkel als Koch arbeitet. Das war ein toller Abend mit spanischem Motto und Gitarrenmusik.

Wie ist das Angebot hier?
Hier nehme ich an der Sturzprophylaxe teil. Es gibt auch noch weitere Angebote. Zum Beispiel Gedächtnistraining und Singen. Manchmal sind hier auch Ausstellungen, das ist wirklich schön, auch Konzerte. Ich habe Gott sei Dank ein Elektromobil. Damit fahre ich jeden Tag. Es ist ganz toll, dass hier alles in der Nähe ist. Mich kennen hier so viele Leute, halten mich an, und sagen mir: „Sie sind immer so freudig“.

Sie haben auch eine wirklich positive Ausstrahlung.
Ja (lacht). Das liegt daran, dass ich jetzt die Zeit für all die  Dinge habe, die ich früher nicht tun konnte. Hier kannst du lesen und Musik hören so viel du willst. Ich liebe Tschaikowsky zum Beispiel, habe aber auch Hörbücher. Auch das Angebot unserer Bibliothek nutze ich gerne. Abends mach ich immer mit einem Herrn zusammen Kreuzworträtsel.

Das hört sich alles sehr vielseitig an.
Ja, mir ist es hier wirklich nie langweilig. Außerdem fahre ich sehr gerne ins Rieselfeld. Denn dort sind so viele kleine Kinder. Kinder mag ich sehr. Ich habe ja früher auch mal ein kleines Kind betreut. Das habe ich sehr geliebt, habe gebügelt und so weiter.

Wie ist der Radius Ihres Elektromobils?
Bis zum Mundenhof bin ich schon gekommen. Ich gehöre hier wirklich dazu.

Ist das Personal auch freundlich?
Ja, sehr. Wenn man mich fragen würde, ob ich meinen Entschluss, hier zu sein, bedauert habe, müsste ich sagen: Nein. Nie. Ich finde es so schön, dass ich die Zeit für mich habe.

Fühlen Sie sich zu Hause hier?
Ja, das tu ich. Es gibt einem auch ein Gefühl von Sicherheit. Gerade in den Zeiten, in denen mein Sohn nicht da ist. Das ganze Team ist wirklich lieb. Alle sind schwer in Ordnung.

Vielen Dank, Frau Pautsch, für das Gespräch!

Dr. Christa Pautsch, Bewohnerin im Betreuten Wohnen der Pro Sneiore Residenz Freiburg
Frau Pautsch genießt die Fahrten mit ihrem Elektromobil