Die Pflege-Charta als Basis für unser         Pflegeverständnis

„Pflege“ steht im Arbeitsalltag dafür, eine ganze Palette an Aufgaben und Anforderungen zu bewältigen. Angefangen bei der Körperpflege über die Medikamentengabe bis hin zu Betreuungsangeboten und der Dokumentation, bietet der Pflegesektor viele abwechslungsreiche Aufgaben, die man manchmal in einer Schicht kaum bewältigen kann. Pflege ist allerdings sehr viel mehr als das Erfüllen von Tätigkeiten und dem Setzen eines Handzeichens. Pflege bedeutet, vor allem in Altenpflegeeinrichtungen, die dort lebenden Menschen bestmöglich dabei zu unterstützen, ein selbstbestimmtes und eigenständiges Leben zu führen – so wie wir es zuhause in unseren vier Wänden auch tun.

Pflege ist immer eine Bestärkung der Individualität eines Menschen und niemals Bevormundung!

Wir als Pflegekräfte tragen die Verantwortung dafür, die Wünsche und Bedürfnisse der uns anvertrauten Menschen zu berücksichtigen und bei deren Erfüllung zu unterstützen. Niemand muss z. B. um sechs Uhr morgens aufstehen, wenn er zeitlebens gerne bis zehn Uhr ausgeschlafen hat. Wer lieber alleine in seinem Zimmer frühstückt und dabei Zeitung liest, muss nicht mit anderen Menschen an einem Tisch sitzen und sich unterhalten.

Mit Rücksicht auf die individuellen Lebensweisen verbessert sich die Lebensqualität von hilfe- und pflegebedürftigen Menschen enorm. Damit dies gelingt und man als Pflegekraft nicht in Versuchung gerät, einem strukturierten Tagesablauf zu folgen, der die Wünsche und Bedürfnisse außer Acht lässt, gilt es, hierfür im Laufe seiner Berufserfahrung eine Grundhaltung zu entwickeln; einen Berufsethos.

Die „Charta der Rechte hilfe- und pflegebedürftiger Menschen“ dient hierzu als Grundlage unseres Denkens und Handelns – unseres Pflegeverständnisses. In dieser Charta finden sich acht Artikel, welche die Basis aller pflegebezogenen Prozesse sein sollten.

Artikel 1: Selbstbestimmung und Hilfe zur Selbsthilfe

Jeder hilfe- und pflegebedürftige Mensch hat das Recht auf Hilfe zur Selbsthilfe sowie auf Unterstützung, um ein möglichst selbstbestimmtes und selbstständiges Leben führen zu können.

Artikel 2: Körperliche und seelische Unversehrtheit, Freiheit und Sicherheit

Jeder hilfe- und pflegebedürftige Mensch hat das Recht, vor Gefahren für Leib und Seele geschützt zu werden.

Artikel 3: Privatheit

Jeder hilfe- und pflegebedürftige Mensch hat das Recht auf Wahrung und Schutz seiner Privat- und Intimsphäre.

Artikel 4: Pflege, Betreuung und Behandlung

Jeder hilfe- und pflegebedürftige Mensch hat das Recht auf eine an seinem persönlichen Bedarf ausgerichtete, gesundheitsfördernde und qualifizierte Pflege, Betreuung und Behandlung.

Artikel 5: Information, Beratung und Aufklärung

Jeder hilfe- und pflegebedürftige Mensch hat das Recht auf umfassende Informationen über Möglichkeiten und Angebote der Beratung, der Hilfe, der Pflege sowie der Behandlung.

Artikel 6: Kommunikation, Wertschätzung und Teilhabe an der Gesellschaft

Jeder hilfe- und pflegebedürftige Mensch hat das Recht auf Wertschätzung, Austausch mit anderen Menschen und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.

Artikel 7: Religion, Kultur und Weltanschauung

Jeder hilfe- und pflegebedürftige Mensch hat das Recht, seiner Kultur und Weltanschauung entsprechend zu leben und seine Religion auszuüben.

Artikel 8: Palliative Begleitung, Sterben und Tod
Jeder hilfe- und pflegebedürftige Mensch hat das Recht, in Würde zu sterben.