Residenzleiter mit Leib und Seele:
Ugur Cetinkaya

Ugur Cetinkaya ist Residenzleiter im SenVital Senioren- und Pflegezentrum Ruhpolding und hat mit proud to care gesprochen: über seine Motivation, in der Altenpflege zu arbeiten, seine Ausbildung und das, was ihn antreibt.

Hallo Herr Cetinkaya, stellen Sie sich doch bitte mal kurz vor.

Mein Name ist Ugur Cetinkaya. Ich bin 32 Jahre alt, zweifacher Vater und gelernter Altenpfleger. Ich bin seit vier Jahren hier im SenVital Senioren- und Pflegezentrum in Ruhpolding Residenzleitung. Zusätzlich habe ich eine Weiterbildung zur verantwortlichen Pflegefachkraft absolviert, das ist vergleichbar mit einer Meisterschule und einen Bachelor- und Masterstudiengang abgeschlossen. Bei der Victor’s Group arbeite ich jetzt seit acht Jahren.

Wie kamen Sie eigentlich zum Entschluss, im Berufsfeld Altenpflege aktiv zu werden?

Durch eine ehemalige Bekannte wurde ich auf das Berufsfeld Altenpflege aufmerksam, wurde quasi Feuer und Flamme. Anschließend habe ich ein Praktikum gemacht und dachte mir: „Hey, das ist genau mein Ding, das ist nice.“ Mir wurde auch klar, dass das ein Beruf ist, in dem man echte Karrierechancen hat. Das hat sich ja auch im Nachhinein bestätigt.

Haben Sie also von der Pieke auf Altenpflege gemacht?

Nein. Ich habe zwei Ausbildungen gemacht, einmal bin ich gelernter Bäcker, danach habe ich eine Ausbildung zum Altenpfleger begonnen, worauf ich auch sehr stolz bin.

Und wie kam es zu dieser Umorientierung?

Beim Bäcker waren halt die Arbeitszeiten beispielsweise unglaublich starr. Das hat mein Sozialleben wirklich aus den Fugen gebracht. Die Altenpflege ist da viel flexibler, da arbeiten wir im Dreischichtsystem. Ein individueller Dienstplan ist hier Thema und es ist insgesamt viel mehr möglich.

Wie empfanden Sie denn Ihre Altenpflege-Ausbildung?

Die Ausbildung zum Altenpfleger hat mich vom jungen Mann zum Mann entwickelt. Das sage ich auch immer wieder jungen Menschen. Sie hat mir Spaß gemacht, weil ich, und das soll jetzt nicht abgedroschen klingen, gerne mit Menschen zusammenarbeite. Wenn man Kommunikation liebt und den Kontakt zu Menschen genießt, ist man in diesem Job genau richtig.

Wo haben Sie denn Ihre Ausbildung gemacht?

Ich habe meine Ausbildung in München gemacht, beim bayerischen Roten Kreuz, in einer Senioreneinrichtung.

Wie war es denn für Sie das erste Mal, eine fremde Person zu waschen?

Also die Sache ist die. Ich komme aus einem sehr familiären Kulturkreis, bin einerseits Bayer, was man vielleicht a bissl hört, habe aber auch einen türkischen Hintergrund, bin also in zwei Kulturen groß geworden. In diesem Kulturkreis ist es normal, Menschen zu helfen. Jemanden zu waschen, war daher kein Problem für mich. Das ist eine sehr wertvolle und ehrenvolle Aufgabe. Da muss ich mich auch überhaupt nicht überwinden. Klar: Das erste Mal ist gewöhnungsbedürftig. Aber man findet sich schnell in die Rolle hinein.

Wissen Sie noch den Namen der ersten Person, die Sie gewaschen haben?

Gute Frage … (lacht) Das weiß ich jetzt wirklich nicht mehr. Aber damals habe ich in München auf einem Wohnbereich den Opa eines Kumpels gepflegt, mit dem ich immer Fußball gespielt habe. So klein ist die Welt, gerade in der Millionenstadt München. Das zeigt auch, dass wir alle von Pflege betroffen sein können.

Welche Note hatten Sie denn in der Abschluss-Prüfung?

Gesamtnote 1,0. Deshalb habe ich auch zwei Stipendien erhalten – ein Begabtenstipendium und ein Deutschlandstipendium, mit dem ich auch meine Weiterbildungen und Studiengänge finanziert habe.

Wie kamen Sie dann zur Victor’s Group?

Über das Trainee-Programm zur Pflegedienstleitung, das unser Unternehmen anbietet. Ich war damals in einer Lebensphase, in der ich jahrelang als Wohnbereichsleitung gearbeitet hatte und mich weiterentwickeln wollte. Das bot und bietet mir Victor’s. Im Gespräch mit den Verantwortlichen hat sich das dann auch bestätigt. Die waren mir sehr sympathisch und mir war klar: Das ist das Unternehmen, in dem ich arbeiten möchte. Meine Kernmotivation war, dass ich den Beruf mit weiterentwickeln kann.

Was war denn bis jetzt der schönste Moment in Ihrer Karriere?

Das war eindeutig im Jahr 2017. Da wurde ich vom Bundesverband Pflegemanagement in der Kategorie „Nachwuchs-Pflegemanager des Jahres“ auf den zweiten Platz gewählt. Stolz bin ich auch deshalb, weil ich der einzige mit diesem Award bin, der aus der stationären Altenpflege kommt. Das war echt der schönste Moment in meinem Berufsleben.

Und was war der Schlimmste?

Das kann ich ziemlich klar sagen. Eigentlich waren das zwei Erlebnisse. Einmal, als eine Person trotz aller Reanimations-Maßnahmen plötzlich verstorben ist. Das war für mich als junger Mensch schon eine Herausforderung. Wir haben echt alles versucht. Aber trotzdem hatte dieser Vorfall im Nachhinein betrachtet für meine Persönlichkeitsentwicklung auch etwas Positives, denn ich bin daran gewachsen. Als Pflegedienstleitung gab es dann den zweiten schlimmen Moment. Die erste Kündigung. Ich hatte mich für den Mitarbeiter eingesetzt, habe alles Menschenmögliche getan, aber er kündigte trotzdem. Das war für mich nicht leicht, gehört aber zum Leben dazu.

Sie haben ja gerade das Phänomen des Sterbens angesprochen. Haben Sie schon mal um einen Bewohner getrauert?

Also prinzipiell trauere ich um jeden Menschen, der stirbt. Denn jeder Mensch ist ein wertvoller Mensch, der uns verlässt.

Jetzt sind Sie ja Residenzleiter. Sind Sie noch nah dran an den Bewohnern?

Wenn ich nicht nah dran wäre, dann wäre ich in meinem Beruf falsch. Davon bin ich felsenfest überzeugt. Bei SenVital heißen die Bewohner ja Gäste und ich liebe den Kontakt zu den Gästen. Und ich liebe auch den Kontakt zu allen Menschen, die mit unserer Einrichtung in Verbindung stehen. Natürlich kann ich auch nicht jeden Tag mitpflegen, aber ich weiß über alle relevanten Vorgänge Bescheid und bin informiert.

"Wir beschäftigen aktuell 15 Auszubildende und sind damit der größte Ausbildungsbetrieb in der Region. Da sind wir sehr stolz drauf und machen sehr viel dafür."

Ugur Cetinkaya

Wie motivieren Sie denn Ihr Team, immer dranzubleiben?

Durch gelebten Optimismus. Ich bin ja für das Vorleben einer Mitarbeiter-Führung, so wie man sie sich wünscht, verantwortlich. Ich gehe mit den Menschen so um, wie ich mir einen Umgang mit mir wünsche, immer höflich, immer freundlich. Wir machen in unserer Einrichtung auch mindestens einmal im Monat eine Teambuilding-Maßnahme. Ich lege sehr großen Wert auf ein freundliches Betriebsklima. Letztlich sollte man einfach immer Mensch bleiben. Das ist ein wichtiger Aspekt.

Sie sind als Führungskraft ja wahrscheinlich sehr eingespannt. Wie kriegen Sie das denn mit der Familie unter einen Hut?

Ja stimmt. Das ist eine drängende Frage unserer Zeit. Ich persönlich mache sehr viel Sport, das tut mir gut. Sport ist mein Ventil. Außerdem habe ich eine tolle Frau und eine harmonische Partnerschaft. Aber ich plane auch bewusst Auszeiten in meinen Alltag ein. Denn das Berufsleben verlangt ja schon eine gewisse Performance.

Macht denn das Unternehmen viel für diese Work-Life-Balance?

Ja, absolut viel. Das Thema betriebliches Gesundheitsmanagement wird groß geschrieben. Wir haben in Ruhpolding zum Beispiel ein umfassendes Stressbewältigungsprogramm und arbeiten eng mit der DAK und AOK zusammen. Für die Führungskräfte gibt es rund ums Thema „Gesundes Führen“ bei der Victor’s Global Academy auch spezielle Fortbildungen. Vom Regionaldirektor bis zur Geschäftsführung legen alle sehr viel Wert darauf, dass in diesem Bereich viel getan wird. Innerhalb der Einrichtung machen wir auch Supervisionen und Mitarbeiterausflüge. Da werden Konflikte, die zu Stress führen können, auch gelöst. Wir haben viele Möglichkeiten für Mitarbeiter und sind schon Vorreiter.

Wie steht es eigentlich um den Pflegenachwuchs?

Ich kann da nur für unsere Einrichtung sprechen. Wir beschäftigen aktuell 15 Auszubildende und sind damit der größte Ausbildungsbetrieb in der Region. Da sind wir sehr stolz drauf und machen sehr viel dafür. So schaffen wir beispielsweise Wohnraum für die Azubis, haben 18 Wohnungen, in denen 14 unserer Auszubildenden leben, wir kümmern uns um alle Behördengänge. Kurz: Wir gehen raus aus dieser Jammerhaltung, die einige Branchenvertreter einnehmen, versuchen nach Lösungen zu suchen. Das zeigt sich auch darin, dass unsere Auszubildenden nach ihrer Ausbildung bei uns geblieben sind. Auszubilden ist auch der einzige Weg, dem demografischen Wandel entgegenzuwirken und da sind wir ganz weit vorne.

Warum sind Sie denn „proud to care“?

Ich bin proud to care, weil ich die Pflege liebe, lebe und weiß, dass ich jeden Tag mit meiner Arbeit etwas Sinnvolles für die Gesellschaft tue. Es wäre natürlich schön, wenn die Politik das begreifen und entsprechende Maßnahmen ergreifen würde.

Vielen Dank, Herr Cetinkaya, für das nette Gespräch!